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Herbst in den Dolomiten Teil I

Wie ein schlafender Riese steht er da und strahlt eine majestätische Ruhe aus. Gerade eben waren wir noch fast auf Augenhöhe mit ihm, nun aber sieht er unüberwindbar aus. 

Ich drehe mich um und schalte meine Taschenlampe wieder an, um den Abstieg weiter in Angriff zu nehmen. Wir sind gerade auf dem Rückweg vom Larghetto di Baste, eine dieser Hochebenen die mich an den Dolomiten so faszinieren und der schlafende Riese ist eine Kalksteinwand, die eben noch im letzten Licht des Tages geglüht hat.

Noch eine kurze Strecke, dann sind wir wieder an unserem Auto das neben der Straße am Passo Giau geparkt ist. Wir legen unsere Rucksäcke ab, klappen die Rückbänke um und breiten unsere Matratze aus. Heute fahren wir nicht mehr weiter, sondern schlafen im Auto. Dafür haben wir uns extra ein paar Snacks gekauft, einen Film auf das iPad geladen und genießen so die kuschelige Atmosphäre. Durch das Seitenfenster leuchten die Sterne wie kleine Laternen und so schlafen wir langsam ein. 

Im Auto schlafen

Oft werde ich etwas schief angeschaut, wenn ich erzähle, dass ich gerne unterwegs im Auto schlafe. Und auch wenn wir bei dieser Reise in wunderschönen Hotels schlafen durften, würde ich immer wieder für mindestens eine Nacht das Auto vorziehen.
Nichts bringt mich dem Gefühl von Freiheit näher als das. Klar ist ein Camper/Van eine super Sache, besonders wenn man länger unterwegs ist, aber wenn man sich nicht immer einen mieten möchte, ist das die beste Alternative.
Probiert es einfach aus, nehmt einen kuscheligen Schlafsack, ein paar Snacks und am besten einen Harry Potter Film dazu 😉



Der Wecker klingelt, die Scheiben sind noch beschlagen, die Dämmerung hat gerade erst begonnen. Ich schäle mich aus dem Schlafsack und öffne die Autotür. Draußen ist es kalt, der erste Frost auf 2200 Meter zeigt, dass der Winter nicht mehr weit ist. 

Die Luft ist klar und der Himmel färbt sich langsam von Dunkelblau über Violett zu Pink, ich greife mir meine Kamera und gehe die letzten Meter bis zum obersten Punkt des Passo Giau. Oben haben sich schon ein paar Fotografen gesammelt und genauso wie ich, warten sie auf etwas, auf einen Moment der nicht lange hält, sich aber immer wiederholt und jedes Mal einfach atemberaubend schön ist. 

07:32 Uhr, die Spitze des Monte Gusela glüht zuerst und innerhalb von Minuten sieht es aus, als hätte jemand die Bergspitzen angezündet. Ich schaue durch meine Kamera, mache ein paar Bilder bis ich innehalte und die Kamera senke. Es ist einfach viel zu schön, als dass ich diese Eindrücke nur durch meine Kamera sehen möchte. Diese Bilder gehören nur mir und speichern sich tief in meinem Gehirn. Ich nenne solche Augenblicke „Schaukelstuhl Momente“. Was das ist? Nun, das bleibt mein Geheimnis, aber ihr dürft gerne raten und euch Ideen machen. Ich wünsche diese Momente jedem, denn sie sind das Wichtigste, was wir haben. 

Am Vormittag geht es durch leuchtende Lärchenwälder zurück Richtung Hotel und unter eine heiße Dusche. Nachdem alle Bilder gesichert sind und wir noch schnell beim Frühstück vorbei geschaut haben, steht für den Tag nichts mehr an, denn auch die Wettervorhersage sagt einen wolkenverhangenen Sonnenuntergang vorher. 

Am nächsten Morgen hängen die Wolken noch tief, der Wind hat aufgefrischt und noch liegt alles im Dunkeln. Es ist 05.30 Uhr als wir aus dem Auto steigen. Vor einer Stunde hat uns der Wecker aus dem Schlaf geholt und wir sind vom Hotel wieder aufgebrochen.

Heute Morgen soll es zum Lago Federa gehen. Eine knapp 4km lange Wanderung mit 440hm Bergauf. Durch dichten Wald geht es vom kleinen Parkplatz an der Ponte de Ru Curto los. Die Taschenlampen leuchten uns den Weg über Stock und Stein, dabei wechseln sich flache und steile Abschnitte immer wieder ab. Als langsam die Dämmerung beginnt, haben wir unser Ziel erreicht. Vor uns liegt der Lago Federa ganz ruhig da. 

Natürlich ist auch dieser Ort ein Hotspot für Fotografen und so sind wir nicht die Einzigen an diesem Morgen und auch wenn es keinen strahlenden Sonnenaufgang gab, hat dieser Ort etwas ganz besonderes an sich. Nachdem wir die Dämmerung am Ufer des Sees verbracht haben und es etwas heller wurde, liefen wir einmal um den halben See zur Hütte Rifugio Croda da Lago.



Hier findest du alles rund um die Touren


Hier gehts zur Wanderung zum Larghetto di Baste

TIPP: besonders schön zum Sonnenuntergang. Nimm aber auf jeden Fall eine Taschenlampe mit, da der Rückweg ein paar steile Stellen bereithält.

Hier geht es zur Wanderung zum Lago Federa

TIPP: hier lohnt sich besonders der Sonnenaufgang im Herbst. Morgens gehts durch den dunklen Wald der erst auf dem Rückweg im Hellen seine volle Schönheit zeigt.


Die Hütte hatte trotz der späten Zeit im Jahr geöffnet und so bestellten wir uns heiße Schokolade, Kaffee und je ein Käsebrötchen. Auf einem Tablett nahmen wir alles mit nach draußen auf die Terrasse auf der wir windgeschützt sitzen konnten. Die anderen Fotografen vom Morgen waren indes wieder weitergezogen und so gehörte uns dieser kleine, stille Ort fast ganz alleine.  

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One comment on “Herbst in den Dolomiten Teil I”

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